Zur Marilog liegen zwei Vorträge als Pdf vor: Die Ausführungen von Prof. Thorsten Blecker und der Vortrag von Prof. Christian Kille
"Wir müssen neue Wege gehen", forderte am Dienstag in München Bernd
Decker, Senior Business Development Manager bei ERS Railways in Rotterdam.
Die Carrier auf der Schiene werden seiner Einschätzung zufolge spätestens
dann besonders gefordert sein, wenn die ersten 18.000-TEU-Containerschiffe
größere Ladungspakete in den Häfen abladen. "Es wird zu einem stärkeren Bündelungseffekt kommen“, ist er sich sicher.
Für Decker folgt daraus nicht zuletzt: Die Wettbewerber im Containerverkehr
auf der Schiene müssen in Zukunft kooperieren, damit die Kapazitäten besser ausgelastet werden können. "Dann könnten wir mehr Direktzüge fahren, das teure Rangieren würde entfallen." Vorbild sollten aus seiner Sicht die Containerlinien sein, bei denen es schon lange üblich sei, Schiffssysteme gemeinsam zu nutzen, aber individuell zu vermarkten.
Investitionen nötig
Wenn die Trassenanbieter die nötigen Voraussetzungen schaffen würden, könnte die Produktivität auf der Schiene weiter gesteigert werden. Decker: "Es muss investiert werden, damit wir längere Züge und höhere Gewichte fahren
können." Geld muss auch in den Ausbau der Terminals im Hinterland fließen.
Die Binnenschifffahrt sei zwar in der Lage, mit Koppelverbänden "800 TEU
von den Rheinmündungshäfen bis zum Oberrhein zu fahren, die Terminals
sind darauf aber nicht vorbereitet", stellte Heinrich Kerstgens fest.
Der Contargo-Geschäftsführer erwartet binnen 20 Jahren eine Verdoppelung
des Containerverkehrs auf den Wasserstraßen. Eine bessere IT-Vernetzung wäre aus Sicht der Terminalbetreiber und Carrier schon ein erheblicher Beitrag
zur Optimierung der maritimen Logistikkette.
Dass Daten später als nötig zur Verfügung gestellt würden, verhindere eine vernünftige Planung. So müssen in den Häfen Importcontainer oft mehrfach umgestaut werden, "weil bei Schiffsankunft nicht bekannt ist, ob sie per Lkw, Bahn oder Binnenschiff zum Empfänger befördert werden", verdeutlichte Eurogate-Vertriebsleiter Torsten Meyer das Problem.
Verlader müssen mitziehen
Ganz entscheidend kommt es offenbar auf die Bereitschaft der Verlader an, eingefahrene Abläufe unter logistischen Aspekten infrage zu stellen. "50 Prozent der Transportkapazität werden am Freitag benötigt", berichtete
Kerstgens. Container müssten immer am Vormittag gestellt und am
späten Nachmittag abgeholt werden. Ökonomisch wie ökologisch sinnvolle
Rundläufe zu gestalten, sei unter diesen Bedingungen kaum möglich.
Die Probleme seien schon vor drei Jahren an diversen Runden Tischen
diskutiert worden, "leider ohne Konsequenzen", stellte Alfred Manke, Mitglied der Kühne + Nagel-Geschäftsleitung, bedauernd fest. "Wir versuchen es mit monetären Anreizen." Die seien aber offenbar zu gering, um eine Änderung des Verhaltens zu bewirken.
Es mauern aber nicht alle Verlader. "Wir sind offen für die Diskussion", erklärte Andrea Eck, General Manager Outbound Logistics bei Volkswagen. "Wenn Flexibilität gefordert ist, unterstützen wir das." Heute schon stelle Volkswagen Logistics den Logistikdienstleistern Daten für die Kapazitätsplanung mit einem Vorlauf von einem Jahr zur Verfügung. "Und wir arbeiten daran, diese Frist auf zwei Jahre zu verlängern."
Globalisierung abgebremst
Auf längere Sicht sollten sich alle maritimen Dienstleister auf eine nachhaltige
Veränderung der globalen Transportströme einstellen, empfahl Prof. Thorsten Blecker von der TU Hamburg-Harburg. Nach seiner Einschätzung wird die Globalisierung unter anderem wegen steigender Transportkosten abgebremst. Schon seit Jahren sei "ein stabiler Trend zur Rückverlagerung" von Produktionen aus asiatischen Niedriglohnländern zu beobachten. Als wesentliche Ursachen nannte Blecker die vorhersehbare Verteuerung des Öls und kostenträchtige Auflagen zum Schutz von Klima und Umwelt.
Für Torsten Westphal, geschäftsführender Gesellschafter der Reederei Arkon aus Haren an der Ems, steht die Schifffahrt vor diesem Hintergrund vor einer Zeitenwende. Energieeffizienz sei das oberste Gebot. tld 11.5.2011